66 Jahre Schießabteilung St. Anna Telgte

1960 – 2026

Von elf Schützen, viel Improvisation und einer Gemeinschaft, die geblieben ist

1960 fing alles an. Was damals mit elf Schützen, einer provisorischen Schießanlage und viel Begeisterung begann, ist heute ein Stück Vereinsgeschichte der St.-Anna-Bruderschaft: Die Schießabteilung St. Anna Telgte besteht seit 66 Jahren.

Ein guter Anlass, zurückzublicken – und vor allem ein guter Anlass, wieder einmal gemeinsam zu feiern.

Die ersten Schüsse fielen schon im Januar 1960

Die Geschichte der Schießabteilung beginnt Anfang 1960. Im Januar beschloss der Vorstand der St.-Anna-Bruderschaft während einer Versammlung, eine eigene Schießabteilung ins Leben zu rufen. Mit den Vorbereitungen wurden Armin Ellebracht, Konrad Bleise und Alfons Jürgens betraut.

Lange wurde nicht geplant: Bereits am 24. Januar 1960 fand im damaligen Hotel Althaus – später „Am Kamin“ – das erste Schießtraining statt. Elf Schützen waren dabei.

Von den technischen Möglichkeiten heutiger Schießstände konnte damals allerdings keine Rede sein. Der erste Stand war ausgesprochen provisorisch. Tische wurden kurzerhand umgedreht, eine Scheibenzuganlage gab es nicht und zunächst stand lediglich ein Gewehr zur Verfügung.

Aus den Anfangsjahren der Schießabteilung St. Anna.

Wie einfach die Anfänge waren, schilderten Rudi Hirsch und Heinz Jürgens anlässlich des 50-jährigen Bestehens im Jahr 2010 noch einmal sehr anschaulich. Die Schießanlage musste teilweise aus einem Pferdestall geholt, über den Hof und durch die Kneipe getragen und anschließend im Saal aufgebaut werden.

Auch bei den Gewehren wurde genommen, was vorhanden war. Das erste eigene Vereinsgewehr wurde später bei Pieser-Holtmann gekauft – nach Erinnerung der damaligen Schützen für lediglich „ein paar Mark“.

Sportlich ging es erstaunlich schnell voran

Was bei Althaus noch recht improvisiert begann, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einer erfolgreichen Schießabteilung.

Ende März 1960 hatten einige Schützen bereits ihre ersten Leistungsabzeichen erworben. Am 15. Mai 1960 wurden die ersten Vereinsmeisterschaften ausgetragen. Alfons Jürgens wurde mit 134 Ringen erster Vereinsmeister der jungen Abteilung.

Noch im Gründungsjahr trat St. Anna erstmals auf Bezirksebene an – und gewann mit 460 Ringen. Über die Diözesanmeisterschaften führte der Weg sogar bis zur Bundesmeisterschaft in Kreuzweingarten. Dort wurden Hans Hotte, Alfons Jürgens, Konrad Bleise und Alois Bleise in der Juniorenklasse auf Anhieb Bundesmeister.

Für eine gerade erst gegründete Abteilung war das ein bemerkenswerter Start.

Schützen der ersten Stunde – die junge Schießabteilung St. Anna Anfang der 1960er-Jahre.

Mehr als nur Schießsport

Der sportliche Ehrgeiz gehörte von Anfang an dazu – doch die Schießabteilung war nie nur eine Gemeinschaft am Schießstand. Ebenso wichtig waren das Zusammensein, gemeinsame Unternehmungen und natürlich das Feiern.

Über die Jahrzehnte entstanden viele Traditionen und Erinnerungen. Ausflüge und Fahrradtouren gehörten ebenso dazu wie gemeinsame Essen, Feiern und gesellige Abende. Man traf sich nicht nur zum Training und zu Wettkämpfen, sondern verbrachte auch darüber hinaus viel Zeit miteinander.

Wer alte Fotos der Schießabteilung durchsieht, merkt schnell: Man konnte nicht nur gut schießen – man verstand es offenbar auch ganz ordentlich, gemeinsam Spaß zu haben. 😉

Gerade diese Mischung aus Sport und Gemeinschaft hat die Schießabteilung über Jahrzehnte geprägt. Manche Veranstaltungen verschwanden, andere kamen hinzu – aber das Miteinander blieb.

Gemeinsam unterwegs: Fahrradtour der Schießabteilung am 21. Mai 2009.

Rudis Keller und die legendäre JAF

Einen besonderen Platz in den Erinnerungen vieler Mitglieder hat die Jahresabschlussfeier – kurz JAF. Viele Jahre wurde sie in Rudis Keller gefeiert – und diese Abende scheinen durchaus das Zeug zur Legende gehabt zu haben.

Zur Unterhaltung gehörten Diaschauen, Spiele, kleine Geschenke und natürlich jede Menge Sprüche und Geschichten. Selbst „Waldorf und Statler“ aus der Muppet Show sollen bei der JAF ihren festen Platz gehabt haben. Später zog die Feier in die Steenpoate um – der Stimmung tat das offenbar keinen Abbruch.

„Waldorf und Statler“ der Schießabteilung: Rudi Hirsch und Heinz Jürgens bei der Jahresabschlussfeier 2009 in der Steenpoate.

Auch kulinarisch hatte die JAF ihre eigenen Regeln. In den Erinnerungen zum 50-jährigen Jubiläum wird jedenfalls ausdrücklich festgehalten, dass es immer genügend Fleisch gab – und ganz wichtig: keine Käsesuppe. 😄

Wenn aus dem Trainingsabend der Rudolfabend wurde

Eine weitere Tradition der Schießabteilung war der Rudolfabend – der letzte Trainingsabend vor der Winterpause.

Ursprünglich ging es an diesem Abend durchaus noch handfest zu: Der Schießstand wurde aufgeräumt und sauber gemacht, auch die Pokale bekamen ihre jährliche Pflege. Doch mit der Zeit wurde aus dem Arbeitseinsatz immer mehr ein gemütlicher Jahresausklang.

Lichter sorgten für weihnachtliche Stimmung, es gab Glühwein und gemeinsam wurden Weihnachtslieder gesungen. So wurde aus einem ganz normalen letzten Trainingsabend eine kleine Tradition, an die sich viele gerne erinnern.

Gemütlicher Jahresausklang: Rudolfabend der Schießabteilung am 16. Dezember 2005.

Immer wieder ein neues Zuhause

Auch der Schießstand der St.-Anna-Schützen blieb über die Jahrzehnte nicht derselbe. Nach den improvisierten Anfängen bei Althaus und weiteren Stationen wurde ab 1967 bei Pohlmeier-Bracht geschossen. Dort sollte die Schießabteilung fast ein Vierteljahrhundert ihr Zuhause haben.

Im März 1991 kam dann überraschend das Aus: Der Schießstand bei Pohlmeier-Bracht konnte aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter genutzt werden. Plötzlich stand die Abteilung ohne eigene Schießmöglichkeit da.

Lange dauerte die Suche allerdings nicht. Bereits wenige Wochen später konnte in der Don-Bosco-Schule mit Unterstützung der Stadt Telgte ein neuer Schießstand eingerichtet werden.

Gerade diese Zeit zeigte, was die Abteilung zusammenhielt: Ein verlorener Schießstand bedeutete nicht das Ende. Man machte weiter, organisierte neu – und der Schießsport ging weiter.

Die Altersklasse am Schießstand: Franz-Josef Gerke, Rudi Hirsch und Reinhold Sloot beim gemeinsamen Training im September 2014

Höhen, Tiefen – und immer weiter

Besonders schwer wurde es 1971. Mit dem Tod von Alfons Jürgens, einem der Männer der ersten Stunde, verlor die Schießabteilung nicht nur einen engagierten Schützen. Auch das Vereinsleben wurde zunächst deutlich ruhiger.

Zeitweise waren nur noch wenige aktive Schützen übrig. Doch aufgeben kam nicht infrage. Rudi Hirsch erinnerte sich beim Rückblick auf die ersten 50 Jahre an diese Zeit und an seinen damaligen Appell:

„Kommt, lasst uns weiter machen. Es kommen irgendwann mal wieder welche dazu.“

Und genau so kam es. Neue Schützen fanden den Weg zur Abteilung, Mannschaften wurden wieder aufgebaut und auch die sportlichen Erfolge kehrten zurück.

Vielleicht beschreibt dieser Satz deshalb die Geschichte der Schießabteilung besonders gut: Es gab Höhen und Tiefen – aber irgendwie ging es immer weiter.

66 Jahre Schießabteilung St. Anna Telgte – aus elf Schützen wurde Vereinsgeschichte

Vieles hat sich seit 1960 verändert. Die Schießstände wechselten, die Technik wurde moderner, neue Schützinnen und Schützen kamen hinzu und manche Tradition verschwand wieder.

Geblieben ist aber das, was die Schießabteilung von Anfang an ausgemacht hat: die Freude am Schießsport und vor allem die Gemeinschaft dahinter.

Aus den elf Schützen, die im Januar 1960 beim ersten Training dabei waren, ist eine Geschichte geworden, die nun seit 66 Jahren fortgeschrieben wird – mit sportlichen Erfolgen, unzähligen Trainingsabenden, Ausflügen, Feiern und wahrscheinlich mindestens ebenso vielen Geschichten, die in keiner Chronik stehen.

Und genau deshalb soll das 66-jährige Bestehen nicht einfach nur eine Zahl bleiben.

Gemeinschaft über Generationen: Mitglieder der Schießabteilung St. Anna im April 2013

66 Jahre – das wollen wir gemeinsam feiern

Am Samstag, 24. Oktober 2026, wollen wir deshalb nicht nur zurückblicken, sondern vor allem gemeinsam feiern.

Ab 19:06 Uhr treffen wir uns in der Steenpoate – mit gutem Essen, kühlen Getränken, alten Geschichten und hoffentlich vielen Erinnerungen, die an diesem Abend wieder hervorgeholt werden.

Und weil es bei uns an diesem Abend um die Gemeinschaft gehen soll, gilt: Essen und Trinken auf lau – keine Umlage. 😉

Damit wir vernünftig planen können, bitten wir um eine verbindliche Anmeldung bis zum 10. Oktober 2026.

Nach 66 Jahren darf man schließlich feststellen: Vieles hat sich verändert. Aber gemeinsam feiern können wir hoffentlich immer noch genauso gut wie früher. 🎯🍻

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